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Unter dem Titel „Expertise der Demokratieförderung bewahren statt Einknicken vor Desinformation gegen Zivilgesellschaft“ unterzeichnet und veröffentlicht unser Bundesverband Soziokultur einen offenen Brief an Bundesfamilienministerin Karin Prien, die das Förderprogramm „Demokratie leben!“ umbauen will und auch bereits zugesagte Förderungen auf einen erneuten Prüfstand bringt.
Expertise der Demokratieförderung bewahren statt Einknicken vor Desinformation gegen Zivilgesellschaft
Sehr geehrte Frau Ministerin Prien,
die Anzahl extremistischer Vorfälle an Schulen nimmt zu, engagierte Kommunalpolitikerinnen und -politiker werden bedroht oder angegriffen und im digitalen Raum befeuern Extremisten die Radikalisierung aller Altersgruppen: Tagtäglich spüren wir gefährliche antidemokratische Diskursverschiebungen, nach Wahlen feiern Rechtsextreme Rekordergebnisse, und ihre Menschenfeindlichkeit droht in manchen Regionen unseres Landes zur gesellschaftlichen Normalität zu werden. Es ist offensichtlich, dass das Modell unserer liberalen Demokratie massiv unter Druck steht.
Es befremdet uns sehr, dass ausgerechnet in dieser kritischen Situation mit “Demokratie leben!” das zentrale Demokratie-Förderprogramm der Bundesregierung massiv umgebaut werden soll. Über diese geplante Neuausrichtung sind wir ernsthaft besorgt, denn damit drohen etablierte Strukturen und über Jahre aufgebaute Expertise, die im Kampf gegen Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und Radikalisierung sowie zur Demokratieförderung dringend erforderlich sind, offen in Frage gestellt zu werden. Der drohende Verlust dieser wertvollen Ressourcen ist nicht nur bedenklich – er ist alarmierend.
Expertise: Ein unersetzlicher Bestandteil der Demokratieförderung
Die Expertise, die spezialisierte Träger und Verbände im Bereich der Demokratieförderung durch jahrelange Arbeit und Erfahrung gewonnen haben, ist unverzichtbar. Solche Organisationen sind professionelle Partner von Regelstrukturen, Verwaltungen, Feuerwehren, Sportvereinen oder Bibliotheken, die diese Hilfe immer stärker in Anspruch nehmen. Dennoch müssen natürlich auch sie einen zentralen Beitrag leisten, um diese Expertise in die gesellschaftliche Breite zu tragen und wirksam gegen Radikalisierung vorzugehen.
Werden die zivilgesellschaftlichen Strukturen mit Fachkenntnis in der Demokratieförderung erst einmal geschwächt oder sogar gänzlich abgebaut, wird es Jahre dauern, sie erneut zu etablieren. Der geplante Umbau von “Demokratie leben!” gefährdet deshalb nicht nur einzelne konkrete Projekte, sondern droht auch die gesamte Grundlage der bürgerschaftlichen Demokratiearbeit zu untergraben.
Gemeinsame Evaluation statt einseitiger Einschnitte
Natürlich müssen staatliche Förderprogramme regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden, wie es auch der Koalitionsvertrag vorsieht. Dieser Evaluationsprozess ist jedoch bisher nicht abgeschlossen, sodass es verfrüht ist, von fehlender Zielerreichung zu sprechen. Vielmehr ist es im genuinen Eigeninteresse der zivilgesellschaftlichen Demokratiearbeit, die eigenen Programme weiterzuentwickeln und zu optimieren – was jedoch erst nach einer transparenten und partizipativen Evaluierung möglich ist. Der mitten in der laufenden Förderperiode angekündigte Umbau des Förderprogramms steht daher im Widerspruch zu den Prinzipien von Vertrauen und Respekt gegenüber den auf dem Feld tätigen Akteuren und bestätigt damit die gezielten Desinformationskampagnen gegen demokratisches zivilgesellschaftliches Engagement.
Wir fordern Sie daher nachdrücklich auf, vom radikalen Umbau von “Demokratie leben!” in der laufenden Förderperiode Abstand zu nehmen. Dieser würde einseitig zulasten zivilgesellschaftlicher Expertise gehen und damit die Wirksamkeit der gesamten bürgerschaftlichen Extremismusprävention und Demokratiearbeit destabilisieren. Wir dürfen den Feinden der Demokratie diesen Gefallen nicht tun!
Der Offene Brief geht auf eine Initiative von „Zukunft Demokratie“ zurück, wurde von über 1.000 Engagierten unterzeichnet und am 27. März 2026 an Ministerin Prien versendet.
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Das Z-Magazin des Kulturzentrums Schlachthof startet neu: Ab Mai erscheint das traditionsreiche Bremer Kulturmagazin unter dem Namen zett in einem überarbeiteten Format, grafisch wie inhaltlich. Ziel des Relaunches ist es, aktuelle kulturelle Entwicklungen aufzugreifen und die lebendige Bremer Kulturszene sichtbar zu machen. Früher „Schlachthof Zeitung“, zwischenzeitlich „zett“ und zuletzt als „Z-Magazin“ bekannt, steht das Projekt seit seiner Gründung 1982 konsequent für urbane Subkultur, gesellschaftliche Debatten und Haltung.
Die erste Ausgabe gibt einen Vorgeschmack auf die neue zett : Sie beleuchtet in einem Interview mit einem Extremismusforscher die aktuelle Entwicklung rund um den Golden Shop, porträtiert die Band Paloma & The Matches, taucht ein in die Ballroom-Kultur in Bremen – und hält weitere Geschichten rund um die hiesige Musikszene bereit. Ab dem 1. Mai liegt die erste Ausgabe für zwei Monate kostenlos in Bremen aus.
Ein zentraler Bestandteil des Magazins und eine Konstante trotz Relaunch ist die Öffnung der Redaktion für neue Stimmen. Ab sofort sucht das Magazin angehende Journalist:innen, Studierende und Schreibinteressierte, die Lust haben, Teil des Projekts zu werden, ihre Schreibfähigkeiten zu verbessern und Texte wie Artikel, Interviews oder Portraits einzubringen. Interessierte Autor:innen können sich unter zett@schlachthof-bremen.de melden.
Mit dem Relaunch übernimmt Angelina Kluge die Chefredaktion und die Leitung der Zeitungswerkstatt des Kulturzentrums Schlachthof. Sie folgt auf Gudrun Goldmann, die das Magazin knapp drei Jahrzehnte geprägt hat. „Ich freue mich darauf, das Magazin gemeinsam mit einer neuen Generation weiterzuentwickeln und ein offenes Umfeld zu schaffen, in dem journalistische Neugier und gesellschaftliche Haltung zusammenfinden“, sagt Angelina Kluge.
Über zett: zett ist ein Bremer Medienprojekt des Kulturzentrums Schlachthof mit Fokus auf urbaner Subkultur, gesellschaftlichen Themen und Stadtkultur. Seit über 30 Jahren bietet es Raum für journalistische Vielfalt – ab sofort in neuem Gewand.
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„Bürgerkultur statt Soziokultur“. Mit diesem Antrag hat die AfD im Landtag im November letzten Jahres für hohe Wellen gesorgt. Sie wollen Soziokultur in Niedersachsen abschaffen. Es war der Versuch, den soziokulturellen Vereinen und Initiativen alle Mittel zur Förderung sowie die institutionelle Förderung des Verbands aus Landesmitteln zu streichen und so die Kulturschaffenden zu spalten. akku, der Zusammenschluss der Kulturverbände und ALLviN, der Zusammenschluss der Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen hatten sich sofort nach Kenntnis des Antrags gegen diese Spaltung gestellt. Auch der Kulturausschuss des Landtags hat sich deutlich gegen die politische Vereinnahmung kultureller Aktivitäten gestellt. Am Mittwoch ist dieser Antrag von allen anderen Fraktionen im Landtag vehement abgewiesen worden.
Ulf Prange, SPD: „Die kulturelle Freiheit stärkt die Gesellschaft“.
Oliver Schatta, CDU: „Kultur ist Ausdruck von gesellschaftlicher Variationsbreite“.
Eva Viehoff, Bündnis 90/Die Grünen: „Soziokultur ist gelebte Demokratie“.
Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Kultur: „Wir stehen für die Freiheit von Kultur“.
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Die Green Culture Anlaufstelle steht vor dem Aus: Die aktuelle Förderung endet am 31. August 2026 – wie es danach weitergeht, ist offen.
Dabei ist der Bedarf da: In den letzten Jahren ist ein bundesweites Netzwerk für nachhaltige Kulturarbeit entstanden, das Austausch, Beratung und konkrete Tools bietet.
Jetzt ist klar: Die kommenden Monate sind entscheidend. Die Anlaufstelle ruft dazu auf, ihre Angebote noch einmal aktiv zu nutzen, sich einzubringen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Denn: Nachhaltige Transformation in der Kultur braucht verlässliche Strukturen – und die stehen gerade auf der Kippe
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Das deutsch-kolumbianisch-kapverdische Jugendtanztheaterprojekt CONSTRUCTORES (Young Artists, steptext) sucht junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren aus Bremen und Umgebung, die Lust haben, zu tanzen, zu reisen und gemeinsam mit Jugendlichen aus Kap Verde, Deutschland und Kolumbien gemeinsam an einem Projekt arbeiten.
In den Bremer Sommerferien 2026 geht es hierzu nach Kap Verde. Dort treffen sich die Jugendlichen aus drei Kontinenten und leben jeweils als Gäst*innen in einer Familie auf der Insel Fogo in Kap Verde, Westafrika. Gemeinsam sollen die Jugendlichen in die Ideen der „Hüter der Erde“ eintauchen und entdecken, wie sie sich kreativ und engagiert für den Schutz der Erde als unser aller Lebensgrundlage einsetzen können.
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Die Veranstalter:innen der Summersounds 2026 brauchen Unterstützung! Sie wollen weiterhin eintrittsfrei und ohne Konsumzwang für alle Musik und Kultur anbieten. Die Kosten steigen und viele der Förderungen fallen 2026 weg. Eine Spende kann helfen, dass die Veranstalter:innen Neustadt Stadtteilmanegement e.V. auch im 21. Jahr das SummerSounds Festival feiern können.
SummerSounds findet vom 05.07.06. in den Neustadtswallanlagen in Bremen statt: https://summersounds.de
Es fehlen Gelder, um SummerSounds mit einem diversen und vielfältigen Musikprogramm und bunten Mitmachaktionen anbieten zu können.
Gespendet werden kann über die Plattform goodcroud
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Das Auswärtige Amt will die Förderung des internationalen Freiwilligendienstes kulturweit im kommenden Jahr einstellen. Der letzte Jahrgang von 300 Freiwilligen soll im September 2026 für sechs Monate in verschiedene Länder reisen und wird dort die Idee der internationalen Völkerverständigung – letztmalig in diesem Programm – umsetzen.
Gleichzeitig formiert sich Widerstand: Eine Petition fordert, die Entscheidung zurückzunehmen und kulturweit langfristig zu sichern.
Seit 2009 können Menschen zwischen 18 und 26 Jahren aus Deutschland mit ‚kulturweit‘ ein Freiwilliges Soziales Jahr an Bildungs- und Kultureinrichtungen im Ausland leisten, die eng mit Deutschland verbunden sind. Partner sind der Deutsche Akademische Austauschdienst, das Deutsche Archäologische Institut, die Deutsche Welle Akademie, das Goethe-Institut, der Pädagogische Austauschdienst in Kooperation mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, sowie zahlreiche UNESCO-Nationalkommissionen, Biosphärenreservate, Welterbestätten und Geoparks weltweit. Seit 2015 bietet ‚kulturweit‘ zudem jungen Menschen aus dem Ausland die Möglichkeit, die Arbeit von Bildungs- und Kultureinrichtungen in Deutschland kennenzulernen.
Über 6.500 junge Menschen haben bereits an ‚kulturweit‘ teilgenommen – und auch die Nachfrage für die letzte Entsendung war ungebrochen sehr hoch. Das Programm wird derzeit mit rund fünf Millionen Euro pro Jahr durch das Auswärtige Amt gefördert.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Nicht euer Ernst? Nach den drastischen Kürzungen bei der Deutschen Welle soll nun das internationale Kulturaustauschprogramm ‚kulturweit‘ eingestellt werden. Gerade in Zeiten, in denen nationalistische Ideen weltweit zunehmen, in denen die Gefahr eines weltweiten Krieges wieder näher rückt, ist die internationale Kompetenz und kulturelle Begegnung junger Menschen unterschiedlicher Herkunft von zentraler Bedeutung. Dass das Programm ‚kulturweit‘ nun beendet werden soll, ist nicht zu verstehen.“
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Aus dem alten Bundeswehrhochhaus ist ein neuer Quartiersmittelpunkt für die westliche Bahnhofsvorstadt geworden. Ein Quartier dem noch ein Dritter Ort fehlt.
Die komplette 14. Etage (338m2) des Q45 ist eine leerstehende Gewerbefläche. Da diese nicht ausgebaut ist, kostet der Quadratmeter nur 7€. Die GEWOBA signalisierte in Vorgesprächen zeigten Interesse an der Idee eines Begegnungsortes, zu dem nun ein Konzept vorgelegt werden soll.
Dies ist ein Aufruf, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln.
Wie könnte so ein Ort aussehen? Der Grundgedanke beinhaltet:
- barrierefreie Büros und Co-Working für Initiativen, Vereine und Verbände
- barrierefreie Seminar- und Veranstaltungsräume
- Bildungsangebote
- Veranstaltungsfläche
- Labs (3D-Druck, Foto/Video), Repair-Cafés und offene Werkstätten
- Fundus für Materialien
- Ausstellungen wechselnder Künstler:innen
- Showrooms und Pop-Up Stores für Manufakturen und Startups
Raum für // alle // Gemeinschaft // Kunst und Kultur // gemeinwohlorientiertes Engagement // Bildung und Austausch // neues Wirtschaften // Weitblick
Wer Interesse hat, diesen Ort mit zu entwickeln kann sich per E-Mail melden: manu@weserwelle.org
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Pressemitteilung und Resolution des Deutschen Kulturrats.
Der Deutsche Kulturrat wendet sich daher entschieden gegen eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz in der öffentlichen Kulturförderung
Berlin, den 18.03.2026. Der Sprecherrat des Deutschen Kulturrates, sein höchstes politisches Gremium, hat sich gestern ausführlich mit der aktuellen kulturpolitischen Situation befasst. Diskutiert wurden die allgemeine Situation in den verschiedenen künstlerischen Sparten, Einsparungen im Kulturbereich, hier besonders die Absage des Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek und die Auswirkungen von KI auf die verschiedenen Kultur- und Medienbranchen.
Breiten Raum nahmen in der Debatte im Sprecherrat die Vorgänge um die Berlinale und den Deutschen Buchhandlungspreis ein.
Einstimmig wurde die Resolution „Kunstfreiheit achten, Unabhängigkeit von Jurys garantieren“ beschlossen. In der Resulution unterstreicht der Deutsche Kulturrat, dass die Kunstfreiheit im Grundgesetz ohne Gesetzesvorbehalt garantiert ist und dass der Diskurs der Kunst selbst bestimmt, was Kunst ist. Die Kunstfreiheit auszuhalten, ist für die freiheitliche Gesellschaft unverzichtbar. Verantwortliche in öffentlichen Kultureinrichtungen sind gefordert, den Raum zur Entfaltung von Kunst zu sichern und Diskursräume im Sinne einer streitbaren und pluralen Demokratie zu eröffnen.
Der Deutsche Kulturrat wendet sich daher entschieden gegen eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz in der öffentlichen Kulturförderung, weil dies Ausdruck eines Generalverdachts ist.
Ebenso betont der Deutsche Kulturrat, dass Unabhängigkeit von Jurys bei der staatsfernen Auswahl von Preisträgerinnen und -trägern, seien es Personen oder Institutionen, garantiert sein muss. Jurys wählen nach fachlichen und ästhetischen Grundsätzen aus. Sie sind in den jeweiligen Kunstszenen verankert und verfügen über die erforderliche Expertise, um eine sachgerechte Auswahl zu treffen. Juryentscheidungen staatlicherseits zu hinterfragen, schwächt die Jurys und relativiert die Staatsferne.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Dass der Deutsche Kulturrat in einer Resolution dazu aufrufen muss, die Kunstfreiheit zu achten und die Unabhängigkeit von Jurys zu garantieren, ist ein deutliches Alarmzeichen. Das Vertrauen in eine Bundeskulturpolitik, die auf die Freiheit der Kunst und die staatsferne Vergabe von Preisen und Auszeichnungen setzt, ist stark belastet. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer muss jetzt das Vertrauen zurückzugewinnen. Wir erwarten, dass er in der Zukunft die Kunstfreiheit achtet und die Unabhängigkeit von Jurys garantiert.“
Resolution des Deutschen Kulturrates: Kunstfreiheit achten, Unabhängigkeit von Jurys garantieren
Berlin, den 17.03.2026. Nach den Vorfällen bei der Berlinale und beim Deutschen Buchhandlungspreis fordert der Deutsche Kulturrat Kulturstaatsminister Weimer auf, die Kunstfreiheit zu achten und die Unabhängigkeit von Jurys zu garantieren.
Kunstfreiheit achten
Die Freiheit der Kunst ist in Art. 5 Abs. 3 GG ohne Gesetzesvorbehalt garantiert. Was Kunst ist, bestimmt der Diskurs der Kunst selbst. Diesen Grundsatz gilt es uneingeschränkt zu sichern. Die Kunstfreiheit auszuhalten, ist für die freiheitliche Gesellschaft unverzichtbar – auch wenn und weil Kunst kontrovers und verstörend sein kann und Kunstwerke Missfallen auslösen können.
Verantwortliche in öffentlichen Kultureinrichtungen sind gefordert, den Raum zur Entfaltung von Kunst zu sichern und Diskursräume im Sinne einer streitbaren und pluralen Demokratie zu eröffnen. Selbstverständlich müssen sich Fördermittelnehmer auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen, d.h. die Würde des Menschen (Art. 1. Abs. 1 GG) achten und die allgemeinen Gesetze einhalten. Dies trifft auf alle zu, die sich um öffentliche Fördermittel oder für Auszeichnungen bewerben.
- Der Deutsche Kulturrat wendet sich aber entschieden gegen eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz in der öffentlichen Kulturförderung, weil dies Ausdruck eines Generalverdachts ist. Ebenso lehnt der Deutsche Kulturrat einen Bekenntniszwang für Kulturverantwortliche ab.
Unabhängigkeit von Jurys garantieren
Die staatsferne Auswahl von Preisträgerinnen und -trägern, Ausgezeichneten und anderen Förderentscheidungen im Kulturbereich ist die Voraussetzung für Kunstfreiheit. Jurys wählen nach fachlichen, inhaltlichen und ästhetischen Grundsätzen aus. Jurymitglieder sind in den jeweiligen Kunstszenen verankert, kennen die Diskurse in den zeitgenössischen Künsten und in den jeweiligen Branchen. Juryentscheidungen staatlicherseits zu hinterfragen, schwächt die Jurys und relativiert die Staatsferne.
Der Deutsche Kulturrat unterstreicht, dass Jurys unabhängig von staatlichen Vorgaben nach rein künstlerischen und auf den jeweiligen Gegenstand bezogenen inhaltlichen Kriterien ihre Entscheidung treffen müssen. Von Jurys kann erwartet werden, dass sie die ihren Entscheidungen zugrundeliegenden Kriterien transparent zugänglich machen.
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Der 49. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst geht an den Künstler Armando Duçellari. Der Preis, der bereits an später überregional bekannt gewordene Kunstschaffende wie Norbert Schwontwowski (1985), Christian Haake (2007) und Elianna Renner (2009) verliehen wurde, zählt zu den ältesten und bestdotierten Nachwuchsförderpreisen und wird seit 1977 vergeben. Armando Duçellari erhält die mit 6.000 Euro dotierte und vom Senator für Kultur verliehene Auszeichnung für sein Werk „Overlapping Remnants“. Hinzu kommen eine Einzelkatalogförderung in Höhe von 3.000 Euro sowie eine spätere Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Bremen.
Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz bedankte sich bei allen Künstlerinnen und Künstlern sowie der Jury für die ausgesprochen hohe Qualität der eingereichten Arbeiten und die sorgfältige Auswahl der Jury: „Es hat sich erneut gezeigt, dass der Bremer Förderpreis inzwischen ein sehr hohes Renommee genießt und sich somit auch auf einem entsprechenden Niveau bewegt. Dies unterstreicht die hervorragende Arbeit von Armando Duçellari, dem ich herzlich zur Auszeichnung gratuliere. Gewonnen hat damit eine ganz außergewöhnliche Videoarbeit mit einer klaren politischen Aussage gegen Diktatur und für Demokratie.“
Nach der Ausschreibung im Herbst 2025 hat eine Vorschlagskommission aus regionalen Kunstsachverständigen aus allen Bewerbungen mehrere aussichtsreiche künstlerische Positionen für die Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen ausgewählt. In diesem Jahr sind dies elf Künstlerinnen und Künstler: Franca Brockmann, Isidora Bruna, Mona Charaf Eddine, Marei Dierßen, Armando Duçellari, eghbal joudi, Mohar Kalra, Harumi Miyato, Candan Öztürk, Martin Reichmann, Leon Sahiti. Aus dieser Ausstellung heraus bestimmte eine überregionale Hauptjury den Preisträger.
Der Jury gehörten in diesem Jahr Prof. Jens Brand (Künstler, Professur Klang in der Bildenden Kunst an der Hochschule für bildende Kunst Braunschweig), Dr. Stefan Gronert (Sprengel Museum Hannover), Anna Nowak (Kunsthaus Hamburg), Dr. Katharina Rüppell (Kunstmuseum Moritzburg Halle) und Junia Thiede (Kunstverein Braunschweig) der Jury an.
Die Arbeit „Overlapping Remnants“ aus dem Jahr 2025 von Armando Duçellari überzeugte die Jury in besonderer Weise. Aus der Jurybegründung: „In der Installation verbindet Armando Duçellari ein mit Handkamera gefilmtes Video mit vier gegenüber gehängten Grundrisszeichnungen. Das Video dokumentiert die gemeinsame Begehung der ehemaligen Villa des albanischen Diktators Enver Hoxha in Tirana durch den Künstler und seine Tante mittels ihrer Erinnerung. Während diese mehrere Jahre für Hoxha tätig war, bewohnte Armando Duçellari das 3.400 Quadratmeter große Gebäude selbst im Rahmen eines Künstlerstipendiums, nachdem es 2024 auf Initiative der der französischen Stiftung Art Explora behutsam zu Künstlerresidenzen eingerichtet worden war. Ausgehend von dieser vielschichtigen Konstellation befragt die Arbeit die Konstitution von Erinnerung aus unterschiedlichen zeitlichen und politischen Perspektiven. Im formal überzeugenden Zusammenspiel von Bild, Sprache und zeichnerischer Überarbeitung der Grundrisse werden historische ‚Realitäten‘ als instabile Konstruktionen erfahrbar. Erinnerung erscheint dabei nicht als feststehendes Narrativ, sondern als Prozess subjektiver Überschreibung.
Die inhaltlich klar politisch ausgerichtete Arbeit beeindruckt gerade durch ihre Differenziertheit: Sie verfällt nicht in plakative Geschichtsdeutung, sondern macht Geschichte als fortwährenden Prozess individueller Aneignung und Reflexion sichtbar.“
Die Hauptjury hebt ausdrücklich die hohe künstlerische Qualität aller in diesem Jahr ausgewählten Positionen hervor. Dies zeigt sich besonders in der Vielfalt, Internationalität und Diversität der künstlerischen Positionen, die in der Ausstellung vertreten sind. Auffällig ist in diesem Jahr der hohe Anteil malerischer Ansätze. Isidora Bruna, Marei Dierßen, Eghbal Joudi, Harumi Miyato und Candan Öztürk setzen Malerei dabei ganz unterschiedlich ein. Dezidiert politisch wie Eghbal Joudi und Candan Öztürk, andere finden politische Themen eher in Alltagssituationen, so wie Marei Dierßen und Harumi Miyato. Isidora Bruna kombiniert Politisches mit der Frage nach unserer Vergänglichkeit. Alle Arbeiten verweisen entweder direkt, oder unterschwellig, aber überwiegend mit einem Augenzwinkern auf kunsthistorische Vorbilder.
Eghbal Joudi übersetzt seine Malerei in eine räumliche Installation. So werden die gezeigten Leinwände plastisch im Raum erfahrbar. Martin Reichmann zeigt eine offensichtlich schwere Betonskulptur, die dennoch scheinbar leicht im Raum zu schweben scheint. Franca Brockmann interveniert im Ausstellungsraum mit einem Maschendrahtzaun, der durch den großen Galerieraum gezogen in einem Gedicht aus Drahtbuchstaben endet. Mohar Kalra überträgt eine Arbeit aus dem öffentlichen Raum am Werdersee in eine eigenständige Kunstinstallation. In diese Arbeit bezieht er zeitgenössische Phänomene einer medialisierten Gesellschaft ein. Auch Leon Sahiti analysiert in einer Videoarbeit und einer Skulptur den letztlich politischen Impetus von Digitalität.
Die Eröffnung der Ausstellung und Preisverleihung durch Simone Ewald, Referentin für Bildende Kunst und Kunst im öffentlichen Raum beim Senator für Kultur, findet statt am Samstag, 28. Februar 2026, um 19 Uhr in der Städtischen Galerie Bremen. Laufzeit der Ausstellung: 1. März bis 26. April 2026
Informationen zum Besuch der Ausstellung sowie zu Veranstaltungen sind auf der Website zu finden: https://www.staedtischegalerie-bremen.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 12-18 Uhr. Eintritt frei. Der Veranstaltungsort (Städtische Galerie Bremen, Buntentorsteinweg 112) ist eingeschränkt barrierefrei zugänglich.