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Der 49. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst geht an den Künstler Armando Duçellari. Der Preis, der bereits an später überregional bekannt gewordene Kunstschaffende wie Norbert Schwontwowski (1985), Christian Haake (2007) und Elianna Renner (2009) verliehen wurde, zählt zu den ältesten und bestdotierten Nachwuchsförderpreisen und wird seit 1977 vergeben. Armando Duçellari erhält die mit 6.000 Euro dotierte und vom Senator für Kultur verliehene Auszeichnung für sein Werk „Overlapping Remnants“. Hinzu kommen eine Einzelkatalogförderung in Höhe von 3.000 Euro sowie eine spätere Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Bremen.

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz bedankte sich bei allen Künstlerinnen und Künstlern sowie der Jury für die ausgesprochen hohe Qualität der eingereichten Arbeiten und die sorgfältige Auswahl der Jury: „Es hat sich erneut gezeigt, dass der Bremer Förderpreis inzwischen ein sehr hohes Renommee genießt und sich somit auch auf einem entsprechenden Niveau bewegt. Dies unterstreicht die hervorragende Arbeit von Armando Duçellari, dem ich herzlich zur Auszeichnung gratuliere. Gewonnen hat damit eine ganz außergewöhnliche Videoarbeit mit einer klaren politischen Aussage gegen Diktatur und für Demokratie.“

Nach der Ausschreibung im Herbst 2025 hat eine Vorschlagskommission aus regionalen Kunstsachverständigen aus allen Bewerbungen mehrere aussichtsreiche künstlerische Positionen für die Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen ausgewählt. In diesem Jahr sind dies elf Künstlerinnen und Künstler: Franca Brockmann, Isidora Bruna, Mona Charaf Eddine, Marei Dierßen, Armando Duçellari, eghbal joudi, Mohar Kalra, Harumi Miyato, Candan Öztürk, Martin Reichmann, Leon Sahiti. Aus dieser Ausstellung heraus bestimmte eine überregionale Hauptjury den Preisträger.

Der Jury gehörten in diesem Jahr Prof. Jens Brand (Künstler, Professur Klang in der Bildenden Kunst an der Hochschule für bildende Kunst Braunschweig), Dr. Stefan Gronert (Sprengel Museum Hannover), Anna Nowak (Kunsthaus Hamburg), Dr. Katharina Rüppell (Kunstmuseum Moritzburg Halle) und Junia Thiede (Kunstverein Braunschweig) der Jury an.

Die Arbeit „Overlapping Remnants“ aus dem Jahr 2025 von Armando Duçellari überzeugte die Jury in besonderer Weise. Aus der Jurybegründung: „In der Installation verbindet Armando Duçellari ein mit Handkamera gefilmtes Video mit vier gegenüber gehängten Grundrisszeichnungen. Das Video dokumentiert die gemeinsame Begehung der ehemaligen Villa des albanischen Diktators Enver Hoxha in Tirana durch den Künstler und seine Tante mittels ihrer Erinnerung. Während diese mehrere Jahre für Hoxha tätig war, bewohnte Armando Duçellari das 3.400 Quadratmeter große Gebäude selbst im Rahmen eines Künstlerstipendiums, nachdem es 2024 auf Initiative der der französischen Stiftung Art Explora behutsam zu Künstlerresidenzen eingerichtet worden war. Ausgehend von dieser vielschichtigen Konstellation befragt die Arbeit die Konstitution von Erinnerung aus unterschiedlichen zeitlichen und politischen Perspektiven. Im formal überzeugenden Zusammenspiel von Bild, Sprache und zeichnerischer Überarbeitung der Grundrisse werden historische ‚Realitäten‘ als instabile Konstruktionen erfahrbar. Erinnerung erscheint dabei nicht als feststehendes Narrativ, sondern als Prozess subjektiver Überschreibung.

Die inhaltlich klar politisch ausgerichtete Arbeit beeindruckt gerade durch ihre Differenziertheit: Sie verfällt nicht in plakative Geschichtsdeutung, sondern macht Geschichte als fortwährenden Prozess individueller Aneignung und Reflexion sichtbar.“

Die Hauptjury hebt ausdrücklich die hohe künstlerische Qualität aller in diesem Jahr ausgewählten Positionen hervor. Dies zeigt sich besonders in der Vielfalt, Internationalität und Diversität der künstlerischen Positionen, die in der Ausstellung vertreten sind. Auffällig ist in diesem Jahr der hohe Anteil malerischer Ansätze. Isidora Bruna, Marei Dierßen, Eghbal Joudi, Harumi Miyato und Candan Öztürk setzen Malerei dabei ganz unterschiedlich ein. Dezidiert politisch wie Eghbal Joudi und Candan Öztürk, andere finden politische Themen eher in Alltagssituationen, so wie Marei Dierßen und Harumi Miyato. Isidora Bruna kombiniert Politisches mit der Frage nach unserer Vergänglichkeit. Alle Arbeiten verweisen entweder direkt, oder unterschwellig, aber überwiegend mit einem Augenzwinkern auf kunsthistorische Vorbilder.

Eghbal Joudi übersetzt seine Malerei in eine räumliche Installation. So werden die gezeigten Leinwände plastisch im Raum erfahrbar. Martin Reichmann zeigt eine offensichtlich schwere Betonskulptur, die dennoch scheinbar leicht im Raum zu schweben scheint. Franca Brockmann interveniert im Ausstellungsraum mit einem Maschendrahtzaun, der durch den großen Galerieraum gezogen in einem Gedicht aus Drahtbuchstaben endet. Mohar Kalra überträgt eine Arbeit aus dem öffentlichen Raum am Werdersee in eine eigenständige Kunstinstallation. In diese Arbeit bezieht er zeitgenössische Phänomene einer medialisierten Gesellschaft ein. Auch Leon Sahiti analysiert in einer Videoarbeit und einer Skulptur den letztlich politischen Impetus von Digitalität.

Die Eröffnung der Ausstellung und Preisverleihung durch Simone Ewald, Referentin für Bildende Kunst und Kunst im öffentlichen Raum beim Senator für Kultur, findet statt am Samstag, 28. Februar 2026, um 19 Uhr in der Städtischen Galerie Bremen. Laufzeit der Ausstellung: 1. März bis 26. April 2026

Informationen zum Besuch der Ausstellung sowie zu Veranstaltungen sind auf der Website zu finden: https://www.staedtischegalerie-bremen.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 12-18 Uhr. Eintritt frei. Der Veranstaltungsort (Städtische Galerie Bremen, Buntentorsteinweg 112) ist eingeschränkt barrierefrei zugänglich.

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Die Schriftstellerin Annett Gröschner erhält den von der VGH Stiftung ausgelobten und mit 15.000 Euro dotierten Preis der LiteraTour Nord. Mit dieser Entscheidung würdigen Jury und Stifterin die Autorin für ihr bisheriges Werk, insbesondere für ihren zuletzt erschienenen Roman Schwebende Lasten (C.H.Beck, 2025). Annett Gröschner wird den Preis am Donnerstag, den 16. April 2026, in Hannover entgegennehmen.

Auf die LiteraTour Nord gehen jeden Winter von Oktober bis Januar ausgewählte Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und lesen aus ihren Neuerscheinungen in Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Lüneburg, Hannover und Osnabrück. Die Lesungen finden in den örtlichen Literaturhäusern und Buchhandlungen statt, moderiert von Professor:innen und Dozent:innen, die jeweils ein die Tour begleitendes Seminar an ihren Hochschulen anbieten.

Die Autorinnen und Autoren bewerben sich mit ihrer Teilnahme auch um den Preis der LiteraTour Nord, der jährlich von der VGH Stiftung ausgelobt wird und mit 15.000 Euro dotiert ist. Die Jury besteht aus den Veranstalter:innen und Moderator:innen und dem Publikum. Die Publikumsstimme wird an jedem der Veranstaltungsorte per Stimmkarte ermittelt. Voraussetzung zur Stimmabgabe ist, dass man alle fünf Veranstaltungen der aktuellen LiteraTour Nord gesehen hat.

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Am 11.10.2024 fand im KUKOON eine Buchvorstellung und Lesung von Markus Mohr zu seinem Werk „Das Prinzip Solidarität“ – Rote Hilfe in den 70er Jahren statt.

Aufgrund eines Fehlers auf unserer Website entstand unzutreffend der Eindruck, die Veranstaltung sei durch den Senator für Kultur Bremen gefördert worden. Der entsprechende Hinweis war technisch bedingt pauschal auch unter anderen Beiträgen aufgeführt. Auch im Zusammenhang mit Einträgen zu Geschlossenen Gesellschaften. Auf diesen Fehler wurden wir u.a. durch die Redaktion von Buten und Binnen aufmerksam gemacht; er wurde umgehend korrigiert.

Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Förderung durch den Senator für Kultur Bremen bezüglich der besagten Veranstaltung. Die Räumlichkeiten des KUKOON wurden, wie oft üblich, durch Dritte eigenständig angemietet. Die Kooperation bezog sich in diesem konkreten Fall darauf, dass das KUKOON eine branchenübliche geringe Gebühr für die Bühnennutzung und technische Betreuung berechnete.

Für dadurch entstandene Irritationen möchten wir uns hiermit entschuldigen.

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Aus dem alten Bundeswehrhochhaus ist ein neuer Quartiersmittelpunkt für die westliche Bahnhofsvorstadt geworden. Ein Quartier dem noch ein Dritter Ort fehlt.

Die komplette 14. Etage (338m2) des Q45 ist eine leerstehende Gewerbefläche. Da diese nicht ausgebaut ist, kostet der Quadratmeter nur 7€. Die GEWOBA signalisierte in Vorgesprächen zeigten Interesse an der Idee eines Begegnungsortes, zu dem nun ein Konzept vorgelegt werden soll.

Dies ist ein Aufruf, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln.

Wie könnte so ein Ort aussehen? Der Grundgedanke beinhaltet:

Raum für  //  alle  //  Gemeinschaft  //  Kunst und Kultur  //  gemeinwohlorientiertes Engagement  //  Bildung und Austausch  //  neues Wirtschaften  //  Weitblick

Wer Interesse hat, diesen Ort mit zu entwickeln kann sich per E-Mail melden: manu@weserwelle.org

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Das Waller Stadtteilfest am 27. und 28.06.2026 muss ausfallen, stattdessen findet das Quartiersfest am Osterfeuerberg statt.

Das alle zwei Jahre stattfindende Waller Stadtteilfest hat sich über viele Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil der Waller Kulturlandschaft entwickelt und zählt inzwischen zu den größten Straßenfesten Bremens.

Als alleiniger Veranstalter hat das Kulturhaus Walle Brodelpott das Fest mit großem Engagement und erheblichem personellen Einsatz durchgeführt. Was einst als nachbarschaftliches Straßenfest begann, ist mittlerweile zu einer Großveranstaltung herangewachsen, die einen Großteil der Ressourcen des Hauses bindet und das Personal an die Grenze der Belastbarkeit bringt.

Die daraus resultierende Konsequenz ist, dass das Kulturhaus seiner eigentlichen Kernaufgabe – der kontinuierlichen Entwicklung und Durchführung soziokultureller Formate – nur noch eingeschränkt nachkommen kann. Alle verfügbaren finanziellen Mittel des Veranstaltungsbudgets sowie ein großer Teil der Personalkapazitäten fließen im Festjahr in die Organisation dieser anderthalb tägigen Veranstaltung. Dieses Missverhältnis ist aus unserer Sicht nicht länger tragbar.

Stattdessen möchten wir unseren Fokus künftig stärker auf das Quartiersfest sowie auf die Entwicklung neuer Formate legen, die das Profil unserer Einrichtung schärfen und den Stadtteil nachhaltig bereichern. Sollte sich ein anderer Veranstalter für die Durchführung des Stadtteilfestes finden, sind wir selbstverständlich bereit, das Fest im Rahmen einer Kooperation zu unterstützen. Das Quartiersfest am Osterfeuerberg wird bereits in diesem Jahr am Termin des Stadtteilfestes stattfinden.

Auslöser für diese Entscheidung waren unter anderem der Wegfall mehrerer öffentlicher Fördermittel in den vergangenen Wochen sowie der Rückzug bislang verlässlicher Sponsoren, die aufgrund der allgemeinen finanziellen Lage ihre Unterstützung einstellen mussten.
Doch selbst wenn diese Finanzierungslücken geschlossen werden könnten, bliebe die strukturelle Herausforderung bestehen: Die personellen Ressourcen des Kulturhauses reichen nicht aus, um eine Veranstaltung dieser Größenordnung dauerhaft zu stemmen – insbesondere vor dem Hintergrund steigender organisatorischer Anforderungen und wachsender struktureller Rahmenbedingungen, vor allem Sicherheitsaspekten.

Das Kulturhaus Walle hat dieses Fest seit über 40 Jahren ausgerichtet und wachsen sehen. Dass wir jetzt dieses Stadtteilfest so nicht mehr durchführen können, stimmt uns traurig. Wir freuen uns aber sehr über die neuen Möglichkeiten, die diese schwere Entscheidung mit sich bringt.

Dr. Roberta Menéndez (sie/ihr)

Geschäftsführung und Veranstaltungsplanung

Kulturhaus Walle Brodelpott
Schleswiger Str. 4, 28219 Bremen
Tel. 0421 – 388 75 677
Mobil 0177 8758 850 
www.kulturhauswalle.de

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Mit dem Abschluss des Projekts „Ökologische Standards für die Soziokultur“ zum 31.12.2025 steht soziokulturellen Einrichtungen und anderen Kultureinrichtungen bundesweit ein praxisbewährtes Instrument für ökologische Nachhaltigkeit in der Kulturarbeit zur Verfügung. Die bereits im Juli 2025 veröffentlichten Ökologischen Standards wurden vom Bundesverband Soziokultur entwickelt und mit soziokulturellen Einrichtungen erprobt. Sie liegen als Maßnahmenkatalog für ressourcenschonende Kulturarbeit vor und sind über ein Excel-Tool auf https://www.soziokultur.de für die systematische Selbsteinschätzung und schrittweise Umsetzung der Standards nutzbar. Gefördert wurde das Projekt durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ziel des Projekts war die Entwicklung eines gemeinsamen Handlungsrahmens für ökologische Nachhaltigkeit in der Soziokultur. Entstanden ist ein einheitlicher Standard, der von kleinen wie großen Einrichtungen genutzt werden kann – unabhängig davon, ob sie hauptamtlich oder ehrenamtlich geführt sind und ob sie im städtischen oder ländlichen Raum arbeiten. Die Ökologischen Standards sind damit ein Instrument für unterschiedliche Organisationsformen und Arbeitsweisen.

Der Standard verknüpft konkrete Maßnahmen zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks mit Ansätzen zur strukturellen Verankerung von Nachhaltigkeit in Kulturbetrieben. Er integriert zentrale Anforderungen bestehender Leitlinien und Zertifizierungen, unter anderem des Blauen Engels für Veranstaltungen sowie des österreichischen Umweltzeichens für Kultureinrichtungen.

„Dank seines modularen Aufbaus und der drei Anforderungsstufen lässt sich der Standard flexibel an die jeweilige Situation anpassen. Von der Theaterproduktion bis zum Outdoorfestival deckt er unterschiedliche Praxisfelder ab. Damit ist er ein Angebot, das über die Soziokultur hinaus genutzt werden kann“, sagt Franziska Mohaupt, Projektleiterin beim Bundesverband Soziokultur.

Im Rahmen des Projekts entwickelte der Bundesverband Soziokultur zudem die Weiterbildung „Nachhaltigkeitsmanagement für Kulturschaffende“. Sie vermittelt fachliches Wissen sowie Prozesskompetenz und unterstützt Kultureinrichtungen dabei, konkrete Veränderungsprozesse anzustoßen. Die Weiterbildung wird derzeit mit Landesmitteln in Rheinland-Pfalz umgesetzt. Darüber hinaus nutzte der Bundesverband Soziokultur die Ökologischen Standards, um die eigene Umweltperformance zu überprüfen und Nachhaltigkeit systematisch in die eigenen Organisationsstrukturen zu integrieren.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Projekt

Ausblick

Mit dem Projektabschluss beginnt die Phase der breiten Anwendung der Ökologischen Standards. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung in den Einrichtungen sowie die Weiterentwicklung gemeinsam mit der Praxis. Durch seinen modularen Aufbau kann der Standard kontinuierlich fortgeschrieben werden. Geplant ist eine Erweiterung für den Festivalbereich sowie perspektivisch um Aspekte sozialer Nachhaltigkeit.

Zum Einstieg in die praktische Anwendung bietet der Bundesverband Soziokultur am Dienstag, 03.03.2026, von 10:00 bis 11:00 Uhr ein weiteres Webinar an. Anmeldung hier: https://soziokultur.de/veranstaltung/oekologische-standards-einfuehrung-in-die-arbeit-mit-dem-excel-tool/

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Jetzt handeln: Ein wichtiger Meilenstein für die Livekultur: Musikspielstätten und Clubs haben erstmals eine eigene Wirtschaftszweigklassifikation. Damit das nicht nur auf dem Papier passiert, braucht es euer Zutun.

Was sich ändert:
Bisher tauchen Musikclubs in der Statistik unter Theater, Diskotheken oder Gastronomie auf – mit der Folge: fehlende Sichtbarkeit, verzerrte Zahlen, schwächere Argumente in Förder- und kulturpolitischen Debatten.

Abhilfe schafft die neue WZ-Klasse 90.31.3 – Live-Musikspielstätten, Musikclubs und ähnliche soziokulturelle Zentren.

Euer konkreter To-do (!!wichtig!!)
Damit eure Spielstätte ab 2026 korrekt gezählt wird:

Ohne diese Umstellung bleibt eure Spielstätte statistisch unsichtbar – mit ihr stärkt ihr die gesamte Branche.

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Unter dem Titel: „Kulturelle Teilhabe: Viel Engagement – weniger Geld“ veröffentlicht der Fonds Soziokultur ein Statement zu den Folgen der Kürzungen im Bereich der Förderung:

Kulturelle Teilhabe: Viel Engagement – weniger Geld

Starkes Potential in der Szene

In der ersten Sitzung im neuen Jahr konnte das Kuratorium des Fonds Soziokultur in der Allgemeinen Projektförderung und im Programm U25 insgesamt 102 Projekte für das erste Halbjahr 2026 im Gesamtvolumen von 1,5 Mio. Euro in Aussicht stellen. Den Fonds hatten insgesamt 685 Anträge im Antragsvolumen von rund 12 Mio. Euro erreicht, das waren über 150 Anträge mehr als im 1. Halbjahr 2025. Sie stehen für ein starkes Kulturengagement, die Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz Kultureller Bildung und Teilhabe in ganz Deutschland.

Stabilisierungsprogramm muss entfallen – Nachwuchs im Aufwind

Dem großen Potenzial steht die Aussicht auf die geringere Förderung des Fonds Soziokultur durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, BKM, gegenüber. Die Förderung Kultureller Teilhabe über den Fonds Soziokultur kann in 2026 nun mit rund 3,6 Mio. Euro statt wie in 2025 mit 4,7 Mio. Euro rechnen. Damit bleibt der Fonds mit rund 1 Mio. Euro weniger hinter dem Vorjahr zurück – und dies bei einer Steigerung des Bundesetats für Kultur und Medien um rund zehn Prozent sowie einer Stabilisierung und teilweise Aufwüchsen der übrigen Bundeskulturfonds in Gesamtsumme.

Diese Kürzung hat konkrete Folgen für die Kulturarbeit: Das Programm Profil: Soziokultur kann im Jahr 2026 nicht ausgeschrieben werden. Damit entfällt ein wesentliches Instrument, um Stärkung und Stabilisierung in den Organisationen der Kulturellen Teilhabe voranzubringen. Das Programm diente der längerfristigen Verlässlichkeit, Menschen vielerorts mit Kultur einbinden zu können.

Erhalten bleiben drei Programme im Förderportfolio mit einem Sonderschwerpunkt „Nachwuchs“ 2026: Die Allgemeine Projektförderung als stärkste Säule, Cultural Bridge auf Grundlage bestehender bilateraler Vereinbarungen mit den Partnern aus dem Vereinigten Königreich und das Nachwuchsprogramm U25 – Richtung: Junge Kulturinitiativen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien stellt dafür im Rahmen seiner Nachwuchsförderung zunächst einmalig 300.000 Euro Sondermittel für U25 zur Verfügung. Ein positives Signal für junge Ideen, das hoffentlich langfristig erhalten bleibt.

Der Fonds Soziokultur wird die Mittel verantwortungsvoll für die Kulturarbeit auch in entlegenen Orten in Deutschland einsetzen und dankt dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Bundespolitike:*innen für die grundsätzliche Unterstützung. Gleichzeitig trüben die Kürzungen des Gesamtetats und ihre absehbaren Folgen für die Szene die Perspektiven für 2026. Die Fördermittel erreichen tausende von Menschen jeden Alters, die sich für eine offene Gesellschaft und kulturelle Mitwirkung auch an Orten engagieren, die vom etablierten Kulturbetrieb nicht erreicht werden können.

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Der Bremer Literaturpreis 2026 wurde am 26. Januar 2026 im Rahmen eines Festaktes in der Oberen Rathaushalle an Heinz Strunk verliehen. Der Autor erhielt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für den 2025 im Rowohlt Verlag erschienenen Erzählband „Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“.

Bremens Kultursenator, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, betonte in seinem Grußwort: „Die Förderung guter und engagierter Literatur ist stets eine Chance. Auch und gerade in Bremen, City of Literature seit dem Jahr 2023. Darum freue ich mich sehr, heute den Literaturpreis 2026 verleihen zu dürfen. Kaleb Erdmanns Bewältigungsprosa ‚Die Ausweichschule‘, die den Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002 reflektiert, hat mich sehr bewegt. Stark kontrastiert wurde dies durch Heinz Strunks Kurzgeschichten aus dem prämierten Band ‚Kein Geld kein Glück kein Sprit‘. Es ist gerade in der aktuellen Zeit wichtig, dass Literaten uns und damit der gesamten Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Darum gelten mein Dank und meine Anerkennung den beiden neuen Trägern des Bremer Literaturpreises, und allen weiteren Akteuren und Einrichtungen, die regelmäßig zum Gelingen dieser Preisverleihung und zur anhaltenden Akzeptanz dieses Preises beitragen.“

Richard Kämmerlings, Mitglied der Jury, beschreibt in seiner Laudatio: „Im neuen Buch ist es schwer, eine Widerlegung für die finstere Überzeugung zu finden, dass das Nichts am Ende stets das letzte Wort behält. Heinz Strunk ist der wohl gnadenloseste Menschensezierer der deutschsprachigen Literatur seit Thomas Bernhard. Wie dieser säbelt, stochert und schneidet Strunk mit seinen hochpräzisen Sprachwerkzeugen so lange an seinen Figuren herum, bis nichts weiter übrigbleibt als Gedärme und Geschlinge, Gewürge, Gestammel und Gejammer. Und makabres Gelächter.“

Kaleb Erdmann erhielt den von Deutschlandfunk Kultur finanzierten Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro für seinen Roman „Ausweichschule“ der im Ullstein Buchverlage erschienen ist.

In ihrer Laudatio lobt Jurymitglied Sandra Kegel: „‚Die Ausweichschule‘ ist keine heroische Bewältigung eines schwierigen Stoffes, sondern das ehrliche Protokoll einer Überforderung. Auch nach 300 Buchseiten ist sie für den Ich-Erzähler nicht vorbei. Am Ende steht kein kathartischer Moment, sondern etwas viel Schwierigeres: Die Einsicht, dass das peinliche Schweigen, der Schweiß und die Umwege dazugehören und bleiben werden. Damit kann uns der Roman nicht beruhigen. Vielmehr versetzt er uns in Unruhe.“

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Lisen Rylander Löve, Lindha Kallerdahl und Riccardo Castagnola. Der musikalische Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung von jazzahead! präsentiert.

Die Preisträger

Heinz Strunk, geboren 1962 in Bevensen, ist Schriftsteller, Musiker und Schauspieler. Seit seinem ersten Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ hat er vierzehn weitere Bücher veröffentlicht. „Der goldene Handschuh“ stand monatelang auf der Bestsellerliste; die Verfilmung durch Fatih Akin lief im Wettbewerb der Berlinale. 2016 wurde der Autor mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis geehrt. Seine Romane „Es ist immer so schön mit dir“ und „Ein Sommer in Niendorf“ waren für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Kaleb Erdmann, geboren 1991, studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, sowie Soziologie und Politische Theorie in München und Frankfurt am Main. Er war Finalist des open mike und wurde für sein Theaterstück „Unten“ für den Retzhofer Dramapreis nominiert. Sein erster Roman „wir sind pioniere“ wurde mit dem Debütpreis der LitCologne ausgezeichnet. Zuletzt schrieb er für das Berliner Ensemble das Stück „Always Carrey On“. Kaleb Erdmann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

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Sichtbar sein: Die Kampagne „Machmamit“ des BKJ geht weiter. Auf der Mitmach-Karte können Orte kultureller Bildung deutschlandweit eingetragen werden. Die digitale Karte auf der Webseite https://www.machmamit.de ist das Herzstück der Kampagne für kulturelle Bildung des BKJ. Erstmalig werden hier alle Orte der kulturellen Bildung Bundesweit dargestellt.

Kinder und Jugendliche können Einrichtungen in ihrem Wohnort leicht auffinden und werden zu den Angeboten informiert. Es können inzwischen auch mobile Ort kultureller Bildung eingetragen werden. Viele Mitglieder von Stadtkultur Bremen sind hier schon gelistet. Euer Eintrag fehlt noch? Tragt euch ein unter: https://www.machmamit/formular