Die Zukunft wird nicht einfacher
KONTAKT
Sam Illguth illguth@stadtkulturbremen.de
AUSGANGSLAGE
Die Zukunft wird nicht einfacher – unter diesem Titel startete Stadtkultur im Oktober 2024 ein Projekt, das die freie Kulturszene Bremens in Zeiten großer finanzieller Unsicherheiten stärken soll. Die Folgen der Corona- und Energiekrisen haben viele Einrichtungen bereits finanziell geschwächt und in den letzten Jahren wiederkehrende Haushaltsdebatten mit sich gezogen. Für den überwiegenden Teil der Organisationen, deren zentrale Finanzierungsquelle die institutionelle Förderung darstellt, ist damit eine wachsende Planungsunsicherheit einhergegangen, die durch die Nachwirkungen der erheblichen Einnahmeausfälle und Kostensteigerungen verstärkt wird. Das dreijährige Sanierungsprogramm des Landes Bremen verschärft die Lage zusätzlich: Für 2026 steht ein Haushaltsloch von rund 47 Millionen Euro im Raum, während zugleich Einsparauflagen des Bundes erfüllt werden müssen. In der Kultur fehlen nach aktuellem Stand etwa 2,5 Millionen Euro, um bestehende Projekte vollständig abzusichern. Grundlegende Verbesserungen sind derzeit nicht in Sicht.
Dabei leisten die Kultureinrichtungen einen unverzichtbaren Beitrag zu einer vielfältigen, demokratischen Stadtgesellschaft: Sie sind Orte der Begegnung, der kulturellen Bildung, der Teilhabe und verankern Kulturarbeit in den Stadtteilen. Dennoch kämpfen sie mit unzureichender Planbarkeit, prekären Beschäftigungsbedingungen und der Herausforderung, Personal überhaupt halten zu können. Einsparungen der Kulturbehörde müssen vielerorts durch eigene Anstrengungen und zusätzliche ehrenamtliche Arbeit abgefedert werden.
PROJEKTZIELE
Mit „Die Zukunft wird nicht einfacher“ versucht Stadtkultur die Perspektiven ihrer Mitglieder zu verbessern und ökonomisch resilienter für die Gegenwart und Zukunft aufzustellen. Innerhalb des Projektes sollen Konzepte und Strategien entwickelt werden, um die Einrichtungen langfristig finanziell, organisatorisch und inhaltlich stabiler aufzustellen. Das Besondere an dem Projekt ist, dass die „Betroffenen“ in den Prozess eingebunden werden, um an den tatsächlichen Bedarfen orientiert Lösungsansätze zu erarbeiten. Dabei werden einerseits alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausgelotet und geprüft, inwiefern neue Förderstrukturen, Spendenmodelle oder Unterstützungsnetzwerke aufgebaut werden können. Andererseits wird ein kritischer Blick nach innen vollzogen: Die Einrichtungen reflektieren ihre Organisationsstrukturen, inhaltliche Ausrichtung, Formate und Arbeitsprozesse, um ihre Arbeitsfähigkeit angesichts begrenzter Ressourcen zu verbessern. Insgesamt elf Mitgliedseinrichtungen von Stadtkultur sind dem Aufruf gefolgt und arbeiten im Rahmen des Projektes aktiv an ihren eigenen Themen. Gefördert wird das Projekt vom Fonds Soziokultur im Rahmen der „Profilförderung“.
TIMELINE
Um die Bedarfe und Problemlagen zu erfassen, wurden die Einrichtungen zunächst im Januar und Februar mit einem leitfadengestützten Interview befragt. Aus den Auswertungen der Interviews ergab sich die thematische Ausrichtung der Workshops, die zentrale Problemlagen der Häuser aufgreifen. Die Workshops fanden im Juni und September unter Anleitung von Axel Watzke vom Studio vor Ort sowieso im November unter Anleitung von Wiebke Doktor vom Conversio Institut und Gisela Bhatti von Datenbank-Lotse statt. Gemeinsam mit den Referent:innen vertieften die Einrichtungen Themenfelder wie alternative Organisationsformen und Transformationsprozesse, Digitalisierung und Datenmanagementsysteme, die Gestaltung von Generationswechseln sowie die Diversifizierung ihres Fundraisings. Zwischen den Workshopphasen arbeiteten die Einrichtungen an eigenen Schwerpunktthemen weiter und leiteten erste Veränderungsprozesse in der Praxis in Form von „Hausaufgaben“ ein. Im Februar soll die Workshopphase abgeschlossen werden, indem die gemeinsame Prozessreflexion, die Bewertung der bisherigen Entwicklungen, aber auch mögliche Zukunftsperspektiven in den Fokus genommen werden.
PERSPEKTIVEN
Innerhalb des Projektes soll der Blick außerdem über den Tellerrand hinaus gerichtet werden: Um Impulse für die Weiterentwicklung der eigenen Strukturen zu gewinnen, wurden und werden andere Verbände, Initiativen und Vorbildprojekte – auch aus anderen Bundesländern – mit einbezogen.
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend in einer kleinen Publikation dokumentiert, damit auch andere Einrichtungen von den Ergebnissen profitieren können.