News

Deutscher Kulturrat kritisiert »Eckpunktepapier zu Kultur und KI« von Bund und Länder

Info

Aus dem Newsletter des Deutschen Kulturrats, der kulturpolitische Wochenreport (42. KW)
von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Link

Blauäugig oder naiv: Eckpunktepapier Fortschrittsagenda Kultur + KI  von Bund und Ländern

Interview mit Olaf Zimmermann in DLF-Kultur zum Thema hier zum Nachhören:
Fortschrittsagenda Kultur und KI: Haben Bund und Länder einen Plan? 
15. Oktober 2026, 23:34 Uhr

Blauäugig, so könnte das vorgestern von Bund und Ländern verabschiedete Eckpunktepapier Fortschrittsagenda Kultur + KI  (Arbeitstitel) freundlich beschrieben werden. Naiv, wäre vermutlich zutreffender. Beim 25. Kulturpolitischen Spitzengespräch in Berlin kamen auf Einladung von Staatsminister Weimer die Kulturministerinnen und Kulturminister, die Kultursenatorinnen und Kultursenatoren der Länder sowie die Kommunalen Spitzenverbände zusammen und haben unter anderem das Eckpunktepapier zur KI beschlossen.

Versprochen wird dem Kunst- und Kulturbereich als „Zielbild“ in dem Papier ein Art modernes Schlaraffenland: „Die Transformation durch KI in Kunst und Kultur findet statt. Die Institutionen und Akteure des Kunst- und Kulturbereichs sind sowohl Nutznießende als auch Gestaltende.“ Nichts deutet zurzeit darauf hin, dass dieses Wunschbild Wirklichkeit wird.

Gesprochen wird in dem Eckpunktepapier fast ausschließlich von Chancen. Risiken wie z. B. der Wegfall der ökonomischen Existenzgrundlagen aufgrund des standhaften Ignorierens des Urheberrechts durch KI-Unternehmen werden ebenso wenig benannt wie Arbeitsplatzverluste gerade auch im Kulturbereich durch den Einsatz von KI.

Selbst die großen KI-Unternehmen wie Open AI oder Anthropic, die immerhin mit KI Geld verdienen wollen, sind viel kritischer gegenüber KI eingestellt als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Kulturminister der Länder. Man stellt sich schon die Frage, ob die aktuellen Diskussionen der letzten Monate über KI wirklich nicht wahrgenommen wurden.

Bemerkenswert ist auch, dass offenbar am liebsten im eigenen Saft geschmort wird. Zwar wird eine Arbeitsgruppe, bestehend aus BKM, NRW und Berlin, in den nächsten Monaten gebildet, in denen die Fortschrittsagenda Kultur und KI konkretisiert werden soll. Sie soll auch weitere Stakeholder zu Beratungen hinzuziehen, Wissenschaft und Forschung sollen aber offenbar nicht beteiligt werden. Dabei werden wesentliche Entwicklungen zur Nutzung von KI in den Kulturerbeeinrichtungen in enger Zusammenarbeit mit den Fachverbänden aus dem Kulturbereich sowie unter Einbeziehung der Interessen der Urheber- und Verwerterseite bereits seit einigen Jahren im Rahmen der kulturbezogenen Programme der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur vorangetrieben. Dort an den Schnittstellen zwischen Forschung, Präsentation und fachlichem Diskurs wurden in der ersten Förderperiode der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur die Kompetenzen und Verbindungen aufgebaut, die im Kulturbereich verankert sind und die unterschiedlichen Bezüge im Blick haben. Es wäre das Mindeste diese Kompetenzen und den Erfahrungsschatz einzubeziehen.

Vollkommen außer Acht gelassen werden ebenfalls die Hochschulen – auch die Kunst- und Musikhochschulen, die schon lange mit KI arbeiten, in Lehre und Forschung einsetzen, aber ebenso kritisch hinterfragen und sich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen, was menschliches Schaffen ausmacht und was Mensch-Maschine-Interaktionen bedeuten.

Der Deutsche Kulturrat selbst hat seit 2023 in sechs Stellungnahmen zu den Chancen und Risiken von KI im Kulturbereich Position bezogen. Dabei wurden stets die – teils auch unterschiedlichen – Interessen von Künstlerinnen und Künstlern, Kulturunternehmen, Kultureinrichtungen einschließlich der fachbezogenen Forschung und der Amateure untereinander abgewogen und in gemeinsamen Papieren formuliert:

Beim Themenkomplex Kultur und KI müssen die Chancen und Risiken gemeinsam betrachtet werden und vor allem müssen endlich die rechtlichen Rahmenbedingungen vernünftig gestaltet werden. Das ist die Verantwortung der Politik.

Das Eckpunktepapier Fortschrittsagenda Kultur + KI von Bund und Ländern enttäuscht leider auf ganzer Linie. 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

*

Interview mit Olaf Zimmermann in DLF-Kultur zum Thema hier zum Nachhören: Fortschrittsagenda Kultur und KI: Haben Bund und Länder einen Plan? (15. Oktober 2026, 23:34 Uhr)