Ausschreibungen

Art Residencies und Intermissions thealit

Frist

08.08.2023

Start

02.09.2023-03.03.2024

Art der Stelle

Residencies und Intermissions im thealit Arbeitszimmer in der St. Jürgen Straße 157/159

Kontakt

Lola Castro

Email

castro(at)thealit.de

WWW

https://www.thealit.de

Ausschreibung für Art Residencies und Intermissions im Arbeitszimmer thealit: Winter 2023/24,
St. Jürgen Straße 157/159, Bremen, Deadline: 8. August 2023.

The Art of Emergency

Nach der ersten tollen und intensiven Saison des Programms „The Art of Emergency“ rufen wir für das nächste Winterhalbjahr, vom 02.09.2023-03.03.2024 erneut zu Bewerbungen auf: zu mehrwöchigen Residencies, von maximal 4 Wochen, und ebenso zu kurzen Intermissions von 1-3 Tagen, z.B. für Vorträge, Workshops, Performances im Arbeitszimmer thealit in Bremen. (Grundriss des kleinen, vielseitigen Raums siehe oben)
Worum geht es? Wir befinden uns weiterhin und verschärft in einer Zeit der globalen Notfälle. Krieg, Pandemie und Klimakatastrophe haben universelle Folgen, wenn nicht direkt tödliche, so doch in Form körperlicher, psychischer, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Schädigungen. Insbesondere diese aktuell größten Bedrohungen rufen Notfallpläne hervor und fordern sofortige und nachhaltige Änderungen unseres Verhaltens ein.

Emergency, eine Notfallsituation, passiert anscheinend plötzlich, stürzt ein System ins Chaos, verändert altbekannte Muster, verschärft bestehende Ungleichgewichte – zu immer wieder unbekanntem Zeitpunkt. Ein Handeln ist dann sofort gefragt, eine aktive Antwort. Schnell, improvisiert und mit unbekannten Größen operierend. Eine Umstellung von bisherigen Plänen und Maßgaben steht im Zentrum. Denn es geht um eins: Überleben.

Wenn Emergency systemgefährdend eintritt, ist eine Schwelle überschritten, ein Kipppunkt erreicht, an dem gehandelt werden muss, meist, um einen Zustand – ähnlich zu dem vor Eintritt des Notfalls – wiederherzustellen. Wie kann ein solches Handeln aber aussehen und welche Experimente im Kleinen und Großen können ein solches Umdenken und Neubewerten testen und einleiten? Das wäre eine Kunst, mit und im Notfall konkret und weitblickend zu agieren. Dies wäre „The Art of Emergency“.

Genauso lässt sich auch sagen, Emergency ist eine schon erwartete Krise oder erwarteter Zusammenbruch eines Systems, wenn alle vorsorgenden, möglichst verzögernden Maßnahmen nicht hinreichend gewesen sind. Emergency ist somit auch erwartet, Emergency wird geplant. Permanent. Allerdings bleibt stets ungewiss, ob Vorbereitungen greifen, ein System wieder zu stabilisieren, es womöglich sogar zu stärken.
Spezialisten der Emergency, das ganze rettende und steuernde Krisenmanagement, haben diese Lücke zwischen prognostizierten Notfällen und deren tatsächlichen Eintreten, zwischen geplanten und tatsächlichen Erfolg ihrer Maßnahmen zum Zentrum ihrer Tätigkeiten gemacht. „The Art of Emergency“ jongliert jeweils mit Wahrscheinlichkeiten und Machbarkeiten. Träumt, simuliert, testet, trainiert.

Immer wieder erst im Nachhinein lassen sich Zeichen mit Gewissheit deuten, die den Notfall ebenso wie seinen Zeitpunkt angekündigt hätten, die womöglich im Voraus hätten wissen lassen können, was wann passieren würde. Immer wieder auch gibt es diejenigen, die jeweils genau davor gewarnt hätten, – auch dies gehört zu „The Art of Emergency“, wenn Nicht-Wissen unerträglich scheint.

Was allerdings, wenn Emergency in einer Vielzahl eintreffender und wiederkehrender Katastrophen zum sogenannten Normalzustand geworden ist? Was, wenn eine Furcht vor weiteren Aufschaukelungen generell jedes Handeln dem Zweck der Katastrophenbewältigung unterstellt und folglich permanente Warnung, permanenter Streit um die richtigen Voraussagen und Abhilfen Desensibilisierung bewirken? Eine Lähmung ist zu erwarten, unter dem Sperrfeuer von Gefahren und Warnungen, Vorschriften und Strafen in überdehntem Schockzustand, bis hin zum achselzuckenden, scheinbar abgestumpften Parieren unfassbarer Bedrohungen. So wird dann ein Kipppunkt erreicht und jedes Messen, Prognostizieren, Simulieren kommender unausweichlicher Notfälle würde von einem massenweisen: ‚Wir wollen es nicht mehr wissen‘ beantwortet. Auch dies eine „Art of Emergency“.

Mit Umdenken, wie es in Momenten der Bedrohung blitzhaft entsteht und zu neuem Handeln führt, ebenso dem Analysieren von jeder Art von guten oder schlechten Bewältigungsversuchen von Emergency soll im Arbeits- und Ausstellungsprojekt „The Art of Emergency“ experimentiert werden. Dass solche „Art of Emergency“ auch eine „Emergency of Art“ beinhaltet, nämlich eine dringende Aufgabe an die Kunst darstellt, ist unsere Überzeugung.
In den Residencies und Intermissions soll dieses Notfallhandeln ausprobiert, vorgestellt, trainiert oder eingeübt werden.

Ein besonderes Extra, ein kalkuliert unvorhersehbares Element, kommt dabei hinzu: Jedes eingeladene Residency-Projekt soll für das nachfolgende Projekt etwas im thealit Arbeitsraum hinterlassen, dem Ort der Residencies und Intermissions. Auf dies Hinterlassene soll dann die folgende Residency reagieren: es einbeziehen, verändern, es zum Ausgangspunkt nehmen, es links liegen lassen oder anderes …

Diese jeweils weiterverwendeten Objekte werden von thealit abgeholt und archiviert, so dass für das Folgeprojekt wieder etwas anderes hinterlassen werden kann. Das Archiv dieser materiellen oder immateriellen Objekte wird am Ende des Programms ausgestellt und online dokumentiert.


Wir freuen uns auf Einsendungen mit Projektvorschlägen. Diese können roh, spontan und unfertig sein. Bitte sendet sie zusammen mit einem knappen Portfolio und CV ans thealit Frauen.Kultur.Labor. bis zum 1. August. Einreichungen von Duos oder Gruppen freuen uns auch.

Wir unterstützen gegebenenfalls mit Fahrkosten. Bei der Suche nach einer Unterkunft sind wir behilflich, können aber leider keine zur Verfügung stellen. Es gibt ein Budget für Materialkosten von 200 Euro und eine Aufwandsentschädigung von 250 Euro für die Residencies und bei den Intermissions nach individueller Absprache und bedarfsgerecht. Technisches Equipment stellen wir zur Verfügung. Wir Kuratorinnen stehen auf Wunsch gern für Projektgespräche bereit und publizieren die entsprechenden Arbeiten, Vorhaben und Ereignisse auf der Website, in den Social Media, im Newsletter etc.

Bitte an Lola Castro mit Angaben zu Wunschterminen und Ausschlussterminen senden: castro(at)thealit.de
Wir sind gespannt auf eure Einreichungen!


Claudia Reiche, Andrea Sick


Call for Art Residencies and Intermissions at Arbeitszimmer thealit: Winter 2023/24, St. Jürgen Straße 157/159, Bremen, Deadline: August 1, 2023

The Art of Emergency

After the first great and intensive season of the program „The Art of Emergency“ we call for applications again for the next season, from September 2, 2023 – March 3, 2024: for residencies of several weeks, of maximum 4 weeks, and also for short intermissions of 1-3 days, e.g. for lectures, workshops, performances in the Arbeitszimmer thealit in Bremen. (See above for the floor plan of the small, versatile space).

What is it about? We are still and intensified in a time of global emergencies. War, pandemic, and climate catastrophe have universal consequences, if not directly lethal, then in terms of physical, psychological, social, cultural, and economic damage. The current, most significant threats call for emergency plans as well as immediate, sustained changes in our behavior.

An emergency situation can seem to occur suddenly, plunge a system into chaos, alter old, familiar patterns, and exacerbate existing imbalances—and always at unpredictable times. Action is then required immediately, an active response. Fast, improvised and operating with unknown variables. Previous plans and measures must be adjusted. Because it’s about one thing, and one thing only: survival.

When an emergency occurs in a way that endangers the system, a threshold has been crossed, a tipping point reached when it is necessary to do something, usually in order to restore a state similar to the one before the emergency happened. But what would such an action look like, and what kinds of small- and large-scale experiments might be able to test and initiate this kind of rethinking and reevaluation? It would be an art to deal with an emergency concretely and farsightedly. That would be the “art of emergency.”
In the same way it can be said, emergency is an already expected crisis or expected collapse of a system, when all precautions and delaying measures have not been sufficient. Emergency is therefore also expected, an emergency is planned for. Permanently. The trouble is that it is always uncertain whether preparations made to restabilize a system or even strengthen it will be effective.

Emergency specialists—all of the management of crisis-related rescue and control—have put this gap between predicted emergencies and their actual occurrence, between the planned and the real success of their measures at the center of their activities. Each “art of emergency” juggles with probabilities and feasibilities. Dreams, simulates, tests, trains.

Again and again, it is only in retrospect that signs of coming emergencies and their timing can be interpreted with certainty—things that might have been able to predict in advance what would happen and when. Again and again, there are those who would have given warnings in each case—this is also an “art of emergency,” which that does not want to accept not knowing.

What happens, however, when emergencies become the normal state of affairs, with so many incoming and recurring disasters? What happens when fear of increasing trouble generally subordinates all action in favor of managing disasters, so that, consequently, constant warnings, constant disputes about the correct predictions and the right remedies leads to desensitization? In an overly strained state of shock, paralysis is to be expected under the barrage of threats and warnings, regulations and punishments, to the point where people simply shrug their shoulders, apparently jadedly parrying incomprehensible threats. In this way, a tipping point is reached and any measuring, forecasting, or simulation of upcoming, inevitable emergencies is answered en masse: “We don’t want to hear about it anymore.” This, too, is an “art of emergency.”
The Art of Emergency project and exhibition will experiment with the sort of rethinking that occurs in a flash during moments of danger and leads to a different kind of action, as well as with the analysis of every sort of good or bad attempt at managing emergencies. We are convinced that this Art of Emergency also involves an “emergency of art,” namely, an urgent task for art.

In the residencies and intermissions, this emergency action is to be tried out, presented, trained or practiced.
A special “extra,” a calculated, unpredictable element, is also involved: each residency project will leave something behind for the next project, in the thealit Arbeitsraum, the site of the residencies and intermissions. The ensuing residency will react to whatever has been left behind: include it, change it, use it as a starting point for something else, ignore it, disguise it etc.

These objects, which are further used in each case, are collected and archived by thealit. The archive of these material or immaterial objects will be exhibited and documented online at the end of the program.
We look forward to receiving submissions with project proposals. These can be raw, spontaneous and unfinished. Please send them along with a concise portfolio and CV to thealit Women.Culture.Lab. by August 1. We also welcome submissions from duos or groups.

We will assist with travel expenses if applicable. We will assist in finding accommodation, but unfortunately cannot provide any. There is a budget for material costs of 200 Euro and an allowance of 250 Euro for the residencies and for the intermissions according to individual agreement and need. Technical equipment will be provided. We curators are available for project discussions upon request and will publish the corresponding works, plans and events on the website, social media, newsletter, etc.

Please send to Lola Castro with details of preferred dates and exclusion dates: castro(at)thealit.de.
We look forward to receiving your submissions!


Claudia Reiche, Andrea Sick