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Soziokultur braucht „Kulturfonds Energie“

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Jennifer Tharr | Leitung Öffentlichkeitsarbeit und Referentin für Kulturpoltik
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Die Soziokultur ist stark belastet. Bundesverband Soziokultur fordert schnelle und unbürokratische Umsetzung des „Kulturfonds Energie“ sowie nachhaltig wirksame Investitionen für energetische Sanierungen.


Der Bundesverband Soziokultur begrüßt den Beschluss von Bund und Ländern in der letzten Woche, Kultureinrichtungen während der Energiekrise im Rahmen des Entlastungspakets III zu unterstützen. Besonders erfreulich ist die Nachricht, dass die im Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen vorhandenen Restmittel auch in 2023 genutzt werden können, um steigende Energiekosten abzufedern.


Wie bereits am 25.9. vom Deutschen Kulturrat in der Positionierung „Energie für Kultur II: Vielfalt der Kultur unterstützen und stärken“ gefordert, gilt es den Sonderfonds zu diesem Zweck weiterzuentwickeln.


Ellen Ahbe, Geschäftsführerin des Bundesverbands Soziokultur, konkretisiert: „Wichtig ist nun die schnelle und vor allem unbürokratische Umsetzung des ‚Kulturfonds Energie‘. Im Vergleich zum Sonderfonds sollte das Antrags- und Nachweisverfahren stark vereinfacht werden, verbesserte Beratung und Unterstützung bei der Antragstellung gewährleistet sein, sodass vor allem auch kleinere, ehrenamtlich geführte Einrichtungen eine realistische Chance bekommen, von der dringend notwendigen Entlastung profitieren zu können.“


Pandemiefolgen und Energiekrise bedrohen die Soziokultur existentiell
Wie eine Mitgliederbefragung des Bundesverbands Soziokultur gezeigt hat, sind die soziokulturellen Zentren und Initiativen massiv von den sich überlagernden Auswirkungen der Pandemie und Energiekrise betroffen. Der Rücklauf der 660 Mitgliedseinrichtungen des Bundesverbandes spiegelt nicht nur die derzeitige Überlastung, sondern auch eine große Unsicherheit und Existenzängste wider.


Die Umfrage belegt, dass fast 70 Prozent der soziokulturellen Zentren mit Gas heizen, ca. 4 Prozent mit Öl und 18 Prozent mit Fernwärme. Betroffen sind damit im Grunde alle soziokulturellen Zentren. Die Einrichtungen erwirtschafteten vor der Pandemie im bundesweiten Durchschnitt fast 50 Prozent ihrer Einnahmen selbst. Die anderen 50 Prozent stammten aus Fördergeldern der Kommunen, Länder, des Bundes und anderen Fördermittelgebern. Die Eigenerwirtschaftungsquote, die sich vor allem aus Eintrittsgeldern, Vermietungen und Einnahmen durch die Gastronomie errechnet, ist durch die Pandemie extrem gesunken. Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie. Damit ist die Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln höher denn je und existentiell.


Transparente Kommunikation in Zeiten großer Unsicherheit
Bei den institutionell durch Land oder Kommune geförderten Einrichtungen herrscht eine große Unsicherheit, ob die Zusatzbelastung durch gestiegene Energiepreise abgefedert werden kann: Fast 75 Prozent haben dazu noch keine Informationen erhalten. Bei den Einrichtungen, die Projektförderungen erhalten, wissen jedoch bereits rund die Hälfte, dass diese auf die Kostensteigerungen nicht reagieren können. Gerade in dieser Zeit ist trotz großer Unsicherheit eine transparente und rechtzeitige Kommunikation wichtiger denn je.


Nach ihren Erwartungen gefragt, was die Energiekrise im Herbst und Winter für Auswirkungen auf die eigene Arbeit haben wird, antworteten die soziokulturellen Einrichtungen wie folgt: Mehr als 85 Prozent rechnen damit, einige Räume weniger oder gar nicht mehr zu beheizen. 42 Prozent gegen davon aus, weniger Veranstaltungen durchführen zu können. 32 Prozent sorgen sich um Schäden am Gebäude, vor allem bei den für die Soziokultur typischen denkmalgeschützten Häusern. 26 Prozent rechnen damit, Mitarbeiter*innen erneut überwiegend ins Homeoffice schicken zu müssen, 24 Prozent erwarten restriktive Vorgaben durch die Kommunen, 16 Prozent befürchten die Schließung von einzelnen Bereichen der Einrichtungen und 11 Prozent sehen sogar sorgenvoll einer Schließung der gesamten Einrichtung entgegen.


Energiesparmaßnahmen sind eingeleitet
Fast die Hälfte alle befragten soziokulturellen Zentren hatten bereits im August Energiesparmaß-nahmen eingeleitet bzw. Pläne für den Herbst und Winter ausgearbeitet. Diese Maßnahmen betreffen einerseits den Gebäudebereich, wie das Überprüfen und Einstellen von Heizung und Warmwasser, das Einschalten der Nachtabsenkung, aber auch die Vermittlung von Sensibilisierungsmaßnahmen an das Team.


Andererseits werden viele Investitionsmaßnahmen genannt, wie das Umrüsten der Beleuchtung auf LED, die Erneuerung und Verbesserung der Dämmung und die Investition in erneuerbare Energien. Wie bereits die Umfrage des Bundesverbands Soziokultur „Das braucht’s!“ zum Thema nachhaltige Entwicklung in der Soziokultur gezeigt hat: Wenn die Soziokultur selbst Eigentümerin des Gebäudes ist, tut sie das ihr Mögliche, um eine nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten. Dennoch fehlen hier nach wie vor die Investitionsmittel.


Die Soziokultur braucht neben einem Sofortprogramm Mittel für nachhaltige Investitionen
Es ist also wenig überraschend, dass sich, nach konkreten Hilfsmaßnahmen gefragt, mehr als 75 Prozent der Einrichtungen ein Sofortprogramm zum Auffangen der Energiekosten wünschen. Der Bundesverband Soziokultur schätzt ein, dass 30 Millionen Euro bundesweit dafür bereitgestellt werden müssten. 65 Prozent der befragten Einrichtungen sehen einen hohen Bedarf an nachhaltigen Investitionen für die Energiesanierung. Der Bundesverband empfiehlt hierfür ein mehrjähriges Förderprogramm.


Gleichzeitig plant die Soziokultur eigene Unterstützungsangebote wie etwa die Einrichtung von Wärmestuben und Suppenküchen. Die Isolation der Pandemie soll sich nicht wiederholen. Ein Zitat aus der Umfrage zeigt die Haltung der Soziokultur trotz großer Belastung: „Es geht ja nicht nur um die Einrichtung, sondern auch um die Menschen, die bei uns im Quartier leben. Sie werden noch mehr ums Überleben kämpfen müssen. Darauf sollten wir alle auch reagieren.“